Warum wählt Käpt'n Blaubär Rot?

Wolfgang Völz über Fernseherfolge und politische Präferenzen / Der Schauspieler und Synchronsprecher (77) hat sich im niedersächsischen Wahlkampf für die LINKE engagiert

ND: Herr Völz, darf ich Sie auf das »Raumschiff Orion« überhaupt noch ansprechen?
Völz: Oh, ja. In Köln läuft Ulkigerweise gerade ein Musikfest mit Melodien aus der »Raumpatrouille« in der Philharmonie. Die Serie ist zum Kult geworden.

Wurde mit diesem Weltraum-Abenteuer nicht die sozialliberale Republik medial eingeläutet?
Im Gegenteil. Als ich die Bücher bekam, war ich erschüttert, dass darin kein Farbiger oder Chinese mitspielte.

In der letzten Folge küsst der amerikanische Commander die russische Geheimagentin. Das ist doch Entspannungspolitik?
Na ja, gut.

War Fernsehen früher besser?
Es war langsamer und ruhiger.

Ist das nicht schöner?
Heute als Rentner mag ich es so empfinden. Aber als junger Mensch hat mich das schon gelangweilt.

Was bewegt Sie, so viel für Kinder zu spielen und zu sprechen?
Ich habe lange Jahre Kindertheater gespielt. Theater für Kinder ist gleichzeitig etwas Dankbares und etwas Schwieriges. Kinder sind unbestechlich. Die kann man nicht wie Erwachsene hinters Licht führen. Die passen auf und die nageln dich auch fest.

Aber Sie sind nicht nur Mime, sondern auch und vor allem Stimme für Kinder.
Das hat sich so ergeben. Erst waren es Märchen, die ich las. Dann kam das Angebot von Walter Moers, den Blaubär zu sprechen. Das wollte ich zunächst gar nicht. Aber er wollte unbedingt mich. Und so mussten wir eine eigene Sprache erschaffen. Ich habe der Heidi Kabel mal ein paar Sätze vorgesprochen. Da guckte sie mich an und fragte etwas empört: »Und das findest du gut?« Ich habe es trotzdem gemacht und es ist auch angekommen.

Käpt'n Blaubär wäre ohne Sie doch unmöglich.
Vor vielen Jahren wollte der WDR eine andere Stimme für Blaubär haben. Was sie auch versucht haben, es hat nicht geklappt.

Sie haben sich im Wahlkampf in Niedersachsen für die LINKE eingesetzt.
Die SPD ist mir deswegen richtig böse. Aber weil ich mit denen langsam auch böse bin, werde ich auf jeden Fall die LINKE wählen. Ich finde den Beck nicht gut. Und wenn ein SPD-Minister wie Gabriel umweltbewusst ganz allein mit Flugzeug nach Mallorca fliegt, finde ich das eine Frechheit.

Käpt'n Blaubärs Stimme gibt seine Stimme jetzt den Roten.
Ich habe immer Rot gewählt – früher immer die SPD.

Sie waren für die SPD sogar Mandatsträger?
Ich war zwei Mal Mitglied der Bundesversammlung. Das habe ich gern gemacht. In einem Interview kurz vor der Wahl des Bundespräsidenten 1994 habe ich mich für Hildegard Hamm-Brücher eingesetzt. Für mich ist das eine integre Person. Auch fand ich es an der Zeit, dass es eine Frau macht. Da hat mich der Struck angerufen und hat mich wie einen Schuljungen zur Sau gemacht. Da hab ich ihn gefragt, wie alt er denn sei. Ich könnte ja sein Vater sein.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
Als nächstes gehe ich zum Brauhaus Früh, esse dicke Bohnen und trinke zwei bis zwölf Kölsch.

Neues Deutschland vom 26.04.08