Völz: Oh, ja. In Köln läuft Ulkigerweise gerade ein Musikfest mit Melodien
aus der »Raumpatrouille« in der Philharmonie. Die Serie ist zum Kult geworden.
Wurde mit diesem
Weltraum-Abenteuer nicht die sozialliberale Republik medial eingeläutet?
Im Gegenteil. Als ich die Bücher bekam, war ich erschüttert, dass darin kein
Farbiger oder Chinese mitspielte.
In der letzten
Folge küsst der amerikanische Commander die russische Geheimagentin. Das ist
doch Entspannungspolitik?
Na ja, gut.
War Fernsehen
früher besser?
Es war langsamer und ruhiger.
Ist das nicht
schöner?
Heute als Rentner mag ich es so empfinden. Aber als junger Mensch hat mich das
schon gelangweilt.
Was bewegt Sie,
so viel für Kinder zu spielen und zu sprechen?
Ich habe lange Jahre Kindertheater gespielt. Theater für Kinder ist
gleichzeitig etwas Dankbares und etwas Schwieriges. Kinder sind unbestechlich.
Die kann man nicht wie Erwachsene hinters Licht führen. Die passen auf und die
nageln dich auch fest.
Aber Sie sind
nicht nur Mime, sondern auch und vor allem Stimme für Kinder.
Das hat sich so ergeben. Erst waren es Märchen, die ich las. Dann kam das
Angebot von Walter Moers, den Blaubär zu sprechen. Das wollte ich zunächst gar
nicht. Aber er wollte unbedingt mich. Und so mussten wir eine eigene Sprache
erschaffen. Ich habe der Heidi Kabel mal ein paar Sätze vorgesprochen. Da
guckte sie mich an und fragte etwas empört: »Und das findest du gut?« Ich
habe es trotzdem gemacht und es ist auch angekommen.
Käpt'n Blaubär
wäre ohne Sie doch unmöglich.
Vor vielen Jahren wollte der WDR eine andere Stimme für Blaubär haben. Was sie
auch versucht haben, es hat nicht geklappt.
Sie haben sich
im Wahlkampf in Niedersachsen für die LINKE eingesetzt.
Die SPD ist mir deswegen richtig böse. Aber weil ich mit denen langsam auch
böse bin, werde ich auf jeden Fall die LINKE wählen. Ich finde den Beck nicht
gut. Und wenn ein SPD-Minister wie Gabriel umweltbewusst ganz allein mit
Flugzeug nach Mallorca fliegt, finde ich das eine Frechheit.
Käpt'n
Blaubärs Stimme gibt seine Stimme jetzt den Roten.
Ich habe immer Rot gewählt – früher immer die SPD.
Sie waren für
die SPD sogar Mandatsträger?
Ich war zwei Mal Mitglied der Bundesversammlung. Das habe ich gern gemacht. In
einem Interview kurz vor der Wahl des Bundespräsidenten 1994 habe ich mich für
Hildegard Hamm-Brücher eingesetzt. Für mich ist das eine integre Person. Auch
fand ich es an der Zeit, dass es eine Frau macht. Da hat mich der Struck
angerufen und hat mich wie einen Schuljungen zur Sau gemacht. Da hab ich ihn
gefragt, wie alt er denn sei. Ich könnte ja sein Vater sein.
Was sind Ihre
nächsten Projekte?
Als nächstes gehe ich zum Brauhaus Früh, esse dicke Bohnen und trinke zwei bis
zwölf Kölsch.
Neues Deutschland vom 26.04.08