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Bloss nicht auf Ameisen treten Vaterschaft
kann ziemlich komisch sein, jedenfalls, wenn man über sich selbst lachen kann.
Die Elternzeit als Vaterzeit aus der Sicht eines freischaffenden Witzeerzählers
hat der Kabarettist Jochen Malmsheimer in seinem Buch „Halt mal Schatz. Alles
über Planung, Kiellegung, Stapellauf und Betrieb eines Babys" (Knaur 2002)
portraitiert. Mit Jochen Malmsheimer sprach Lutz Debus. Sind Väter Witzfiguren? Welche Witze bieten sie?
Natürlich ist der Vater schlechthin eine komische Figur. Man ist gezwungen, einen Job zu machen, den man nicht kann. Dies ist ja eine der wenigen Tätigkeiten, die man ausüben muss ohne dass man sich darauf vorbereiten kann. Man weiß noch nicht einmal, wann dieser Job endet, ob er überhaupt endet. Er ist sehr schlecht bezahlt. Er wird in der Öffentlichkeit überhaupt nicht wahrgenommen als Ganztagsbeschäftigung und stellt alle Beteiligten vor extreme, immer wieder neue Probleme. Wenn man das erste Kind so halbwegs am Leben erhalten hat, ist das keine Gewähr dafür, dass es beim zweiten Kind genauso funktioniert. Das zweite stellt eine Potenz des Problems dar. Und das ist natürlich auch extrem komisch - wenn man die Fähigkeit besitzt, über sich selbst zu lachen.
Was war das komischste an ihrem Vatersein?
Wahrscheinlich
mein Gesicht, als ich am Morgen nach der Geburt meines ersten Sohnes bemerkte,
dass das Kind immer noch da war. Das war so eine fundamentale Erfahrung: Wir
gingen abends zu zweit ins Bett und wachten am nächsten Morgen zu dritt wieder
auf. Und dann machte ich mir klar, dass dieses dritte Wesen auch noch hier
wohnen wird, wohl auch für länger, das spiegelte sich in meinem Gesicht
wieder. Meine Frau hat sehr gelacht.
Gefühlsduselei ist immer erlaubt. Ich mache kein Hehl daraus, ob auf der Bühne oder privat, dass ich meine Familie sehr liebe und dass sie das Zentrum meines Lebens ist.
Hanns Dieter Hüsch hat einmal gesagt: „Ich wollt’ das nie aber ich werd genau so wie mein Vater."
Ja, das ist eine dramatische Erkenntnis. Deshalb habe ich in meinem Buch auch einige Kapitel über meine eigene Kindheit geschrieben. Ich hör mich jetzt auch Sätze sprechen, die ich von meinem Vater kenne. Das ist ganz furchtbar, entsetzlich. Man steht immer wieder vor den gleichen Problemen ohne aus der Geschichte lernen zu können. Das ist eine fatale Erkenntnis.
Aber man muss ja nicht immer die Welt verändern.
Nein,
und dieses ständige Streben nach Innovation ist völlig idiotisch. Aber das
Eintreffen von Kindern eröffnet einen völlig neuen Raum der Erinnerung. Und
zwar kommen all die Erinnerungen wieder, die man tunlichst während der
Pubertät und danach verdrängt hat, weil man ja woanders hin wollte, vor allem
möglichst schnell erwachsen werden wollte. Ich jedenfalls wollte das. Wenn dann
Kinder einschlagen, stellt sich das alles wieder ein, sehr farbig. Und das ist
bisweilen gar nicht komisch. Dadurch, dass sich meine Frau und ich uns ständig
austauschen, besteht zumindest die Chance, dass wir die gleichen Fehler nicht
genauso machen sondern wenigstens ein bisschen anders.
Sie selbst sind Vater von zwei Söhnen, zwei und fünf Jahre alt. Wie funktioniert Erziehungsurlaub als freischaffender Künstler?
Der Druck wird durch ihre Kinder größer und dadurch auch das Werk?
Ganz richtig. Das Buch wäre ohne meine Kinder gar nicht denkbar und es gäbe auch keinen Grund, es zu schreiben. Meine Kinder sind also nicht nur eine persönliche sondern auch eine berufliche Bereicherung.
Was verdanken Sie sonst noch ihren Söhnen?
Eine extreme Bereicherung meines Daseins. Dinge des täglichen Einerleis bekommen ein anderes Gewicht. Ich mach mir jetzt Gedanken, dass ich nicht auf Ameisen trete, damit meine Söhne nicht traurig werden.
siehe paps, die Welt der Väter, April 2003, S.20/21, Velber im OZ-Verlag, Freiburg |