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Liebe Leute von Lilly!
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Zyprexa ist bekanntlich das innovativste Neuroleptikum, dass Ihr bislang herstelltet. Im Lila dieses Zyprexas gekleidet und geschminkt, übergab mir eine Eurer charmanten Pharmareferentinnen am Rande eines Kongresses eine Tragetasche mit den hier abgebildeten Abbildungen. Darin befand sich, auch in Lila und auch mit dem Werbeaufdruck versehen, mehrere Papiertaschentuchspender samt Papiertaschentücher. „Gerade die Therapeuten reißen mir diese Boxen förmlich aus den Händen. Bei Ihnen gibt es ja doch schon das eine oder andere Tränchen zu weinen.", flötete sie mir ins Ohr.
Ich schaute auf die beiden Bilder, die in monumentaler Größe auch das Kopfende des Saals schmückten. Ich wähnte mich in den Fünfzigern. Selbst der Sozialistische Realismus war stilistisch nicht sehr viel wunderschöner. Damals reichten sich Traktoristen und Bergmänner ihre haarigen Pranken, um bildlich dargestellt den Arbeiter- und Bauernstaat zu glorifizieren. Hier, etwas moderner, rettet der Weißkittel den Schizo vor dem Abgrund des Irrsinns. Dabei benutzt er ein großes „Z". Dies steht allerdings nicht für Zorro sondern für dies atypische Neuroleptikum. Auf dem zweiten Bild schlendern nach gelungener Rettung Arzt und Verarzteter zu einer Bergidylle bärenmarkanter Ausprägung.
Wehe uns, wenn diese grafische Gestaltung pharmazeutischer Heilkunst Schule macht. Welche Ölschinken von Herkules drohen uns bei einer Viagrawerbung? Wie wird uns eine Brunhild entgegenlächeln, um für Östrogenprärerate zur Abschaffung des Klimakteriums zu werben? Für Retardin gegen hyperaktive Kinder könnte dann der Phillip aus dem Struwwelpeter Trikotwerbung machen.
Gierig griff ich nach der Tüte. „Diese ganzen Schneuztücher," versicherte ich Ihrer Mitarbeiterin, „benötige ich jetzt gerade aber für den Eigengebrauch!"
Euer Lutz Debus
in: Dr. med. Mabuse 149 Mai/Juni 2004, S.98 |