Kreissparkasse oder Kreißsaal?

 

Da die Krankenkassen eigentlich gar nichts mehr bezahlen, werden immer mehr medizinische Leistungen dort angeboten, wo mensch sie zwar nicht vermutet, sie aber ebenda besonders günstig sind. Pflanzliche Arzneimittel stehen bei Aldi zwischen Dosengulasch und Fertigpizza. Rezeptpflichtige Präparate kann man beim Drogeriediscounter bestellen, die heiße Ware aus den Niederlanden ist in drei Tagen abholbar. Den Gang zum Augenarzt kann sich der gemeine Kurzsichtige auch ersparen, entsprechenden Service bietet jedes gutsortierte Brillengeschäft.

Diese Werbetafel zeigt einen gar nicht so kühnen Blick in die Zukunft: Geburtshilfe beim Geldinstitut. Die ganze Schwangerschaft kann bei der Genossenschaft genossen und betreut werden. Zuwachsraten werden fachmännisch errechnet. Letztlich ist eine Gebärmutter ja auch nichts weiter als eine Kleinstimmobilie. Und selbst für dieses Objekt hat der schlaue schwäbische Fuchs von der Bausparabteilung schon ein passendes Finanzierungsmodell parat, Bonität vorausgesetzt. Bei Abschluss einer Lebensversicherung erhält das Embryo zusätzlich die Entbindung kostenlos dazu. Und wo soll diese wohl stattfinden? Ob nun im Kreißsaal oder in der Kreissparkasse ist eben nicht egal. Nur die Bank von Volk und Raiffeisen kann bereits pränatal ihren Kunden versprechen: „Wir machen den Weg frei!"

in: Dr. med. Mabuse 150  Juli/August 2004, S.82