Die Bulette vor zwei Jahren in Neuss

Helge Schneider bot in der Stadthalle statt "Käsebrot" und Katzeklo" groteske Komik und exzellente Jazzmusik

Alle, die wegen seinen Hits gekommen waren, enttäuschte Helge Schneider. Bei seinem Konzert am Sonntag in der Stadthalle spielte er weder „Käsebrot" noch „Katzeklo". Liebhaber grotesk anmutender Komik und exzellenter Jazzmusik hingegen kamen auf ihre Kosten. Wie ein Clown gekleidet, ausgestattet mit Glatze und roter Nase, humpelte Schneider mit einem antiken Koffer auf die Bühne. Darin hatte er so mancherlei Instrumente versteckt, die er alle perfekt beherrschte, das winzige Sopranino-Saxophon ebenso wie Trompete und Glockenspiel. Nur die Panflöte benutzte er lieber als Hahnenkamm, Haiflosse oder als anderweitig hervorstehendes Körperteil.

Oft saß der Mann aber am Klavier. Mit seiner Band, bestehend aus Schlagzeuger, Gitarristen, Kontrabassisten und zwei Bongo-Spielern, die mit ihren Trömmelchen nicht zu hören und somit eher dekoratives Beiwerk waren, stattete er allen erdenklichen Musikrichtungen eine Visite ab. Bemerkenswert dabei: Schneider hat die Schlagzeuger-Legende Pete York verpflichtet. York blieb meist dezent im Hintergrund, spiele gegen Ende des Konzertes aber ein atemberaubendes Solo.

Helge Schneider hat, so wird berichtet, seine Jugend in der Mühlheimer Eduscho-Filiale an einem Stehtisch verbracht und dabei alten Männern beim Schwadronieren zugehört. Das merkt man heute noch Schneiders Sprachstil an. Liebevoll frotzelnd begreift er die Welt als eine mögliche Illusion und stellt dabei seinem Publikum knifflige Fragen: Sind die Vormittagstalkshows im Fernsehen nicht realer als das wirkliche Leben? Was macht Sarah Conner als Pilgerin auf dem Jacobsweg? Wie kommt man mit Rollschuhen nach Indien?

Natürlich vergaß Schneider auch nicht, seinem Publikum zu versichern, dass die Stadt, in der sie wohnen, die allerschönste auf der Welt sei. „Stadthalle Neuss, sehr schön, ich weiß, die Bulette, die ich hier vor zwei Jahren gegessen habe, ist immer noch ..." Dann brach Schneider seine Erzählung ab, überließ wie so oft dem Publikum, sich weiteres auszumalen. Letztlich sei der Abend mit Helge, so Helge, dafür gut, die Alltagssorgen für ein paar Stunden zu vergessen. Am Ende der Show hatten einige Zuschauer vor Lachen Tränen in den Augen. Vielleicht hätte Schneider seine Fans aus Bierzelten auch begeistern können. Aber die waren gar nicht gekommen. Mit nur einer Zugabe entließ das brave Neusser Publikum den seltsamen Jazzmusiker in seinen wohlverdienten Feierabend.

Westdeutsche Zeitung vom 16. Oktober 2007