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Powerfrau wird Mutter
„Miss Germany", „Miss American Dream", 1990 eine Goldene Schallplatte für „Ritmo de la Noche" – schon mit Anfang 20 konnte Verona Feldbusch, 1968 in La Paz geboren, auf eine ansehnliche Karriere zurückblicken. Doch Kult wurde sie als Moderatorin. „peep!" und „Veronas Welt" machten ihre lustig-freche Art und ihren eigenwilligen Umgang mit der Sprache berühmt. „Blubb" und „Hier werden Sie geholfen" sind inzwischen bekannter als ihre Kurz-Ehe mit Dieter Bohlen. In ihrer Firma „Veronas Dreams" entwirft sie seit Neuem Schmuck und Uhren für Kinder. Doch sie findet auch noch Zeit, sich für die SOS-Kinderdörfer zu engagieren. Jetzt kommt ein neues Projekt auf sie zu, das vollen Einsatz rund um die Uhr erfordert: Sie wird Mutter. Mit Verona Feldbusch sprach Lutz Debus.
Sie sind eine der am meisten beschäftigten Personen im deutschen Show-Biz. Dann haben Sie noch eine eigene Firma, die Veronas Dreams AG. Powerfrau und werdende Mutter, geht das?
Man hat ja neun Monate Zeit, sich daran zu gewöhnen und sein Leben umzustellen. Die ersten drei Monate habe ich wie immer sehr viel gearbeitet, vom vierten bis zum sechsten Monat dann etwa die Hälfte der sonst üblichen Zeit, danach nur noch zwei Termine in der Woche, fast alle in Düsseldorf. Vor der Schwangerschaft war es egal, ob ein Foto-Shooting in Hamburg stattfand oder in München oder in Stuttgart, da habe ich mir sich nicht so viele Gedanken gemacht.
Werden Sie sich aus Ihrer Firma zurückziehen und ganz der Familie widmen?
Wenn ich nach der Geburt das Kind im Arm halte, werde ich mir wohl instinktiv sehr viel Zeit fürs Baby nehmen wollen. Am Anfang ist man überaus glücklich und bleibt sehr gern zu Hause. Zwei, drei Monate nach der Geburt wird das Berufsleben wieder wichtiger, gerade dann, wenn man sich vorher dafür sehr begeistert hat. Den meisten jungen Müttern, die ich kenne, gelingt es ganz gut, Beruf und Baby miteinander zu vereinbaren. Im Herzen steht auf Platz eins die Familie, aber die Verona’s Dreams AG ist ein Traum von mir, den ich seit 17 Jahren habe und den ich endlich umsetzen konnte. Ich habe die Firma so aufgebaut, dass meine Mitarbeiter und Partner auch sehr gut zurecht kommen, wenn ich nur zwei Mal in der Woche vorbei komme. Im nächsten Jahr werde ich wieder mehr Fernsehen machen. Werbung, Moderation, alles das gehört mit zu meinem Leben. Ich wäre auch nicht richtig glücklich, wenn ich nur noch Mutter wäre. Aber ich möchte auch nicht, dass mein Kind bei irgend einer Nanny aufwächst und wenn ich dann nach Hause komme, mich nach einem Autogramm fragt und sagt, es hätte mich schon mal im Fernsehen gesehen.
Welchen Typ Vater finden Sie gut: Den Latzhosenträger mit Fusselbart, der sich rund um die Uhr um das Kind kümmert oder den Armani-Anzug-Träger, der 24 Stunden Karriere macht?
Also, eigentlich den Armani-Anzug-Träger, der sich nur um das Kind kümmert.
Das ist ja fantastisch!
Das ist auch zufällig eine Beschreibung, die auf Franjo passt. Wenn man ihn ein bisschen beobachtet sieht man, dass er überwiegend Anzüge trägt. Aber zu Hause ist er vom Herzen her eher ein Latzhosenträger. Und das ist der Typ Mann, auf den ich stehe. Zum Glück hab ich genau den gefunden.
Es gibt dann weder eine Nur-Hausfrau oder einen Nur-Hausmann, sondern beide werden Halbtagseltern?
Franjo wird sich am Anfang ein bisschen mehr Urlaub nehmen. Er ist ja selbstständig, hat eine eigene Werbeagentur. Eine Reduzierung seiner Termine ist ihm sehr wichtig. Seine Partner können das verstehen. Am Anfang wird er sich viel Urlaub nehmen, ich auch, und dann werden wir schon einen Weg finden.
Also gerecht geteilt?
Genau!
Wie gelang es eigentlich Ihren Eltern, dass so eine selbstbewusste und erfolgreiche Frau aus ihrem Kind wurde?
Meine Mutter ist Südamerikanerin, sie hat eine für mich sehr eigenwillige aber auch interessante Art. Die habe ich als Kind und Teenager oft nicht verstanden. Im Nachhinein wurde mir immer klarer, dass sie wirklich eine geniale Erziehung entwickelt hatte. Es waren zwar schon einige Sachen dabei, wo man einfach ein bisschen den Kopf schüttelt, aber...
Gibt’s da Beispiele?
Sie hat immer einen großen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gemacht. In Südamerika werden Mädchen so richtig als Mädchen gesehen und Jungs als Jungs. Man legt sehr viel Wert darauf, das nicht zu vermischen. Trotzdem hat man beide Kinder gleich lieb. Hier in Deutschland fiel ich mit dieser Erziehung auf. Ich war sehr ordentlich, Hilfsbereitschaft im Haus wurde von mir mehr erwartet als von meinem Bruder. Das hab ich aber auch gern gemacht. Irgendwann fand ich es blöd, dass manche Sachen nur für Mädchen, andere nur für Jungs sind. Ich finde es schön, wenn ein Mann einer Frau in den Mantel hilft oder der Frau die Autotür aufhält. Das ist nicht wichtig, es ist aber nett. Mich stört es nicht, einkaufen zu gehen oder die Sachen von Franjo in die Reinigung zu fahren. Er macht auch sehr viel für mich. Wenn ich Besuch habe, räume ich gerne auf, kümmere mich um die Gäste und habe dabei überhaupt keine Minderwertigkeitskomplexe. Ich erwarte ja auch, dass Männer ein paar typische Männersachen machen, wie z.B. die Garage aufräumen. Das ist ja auch nicht der Hit. Die Männer, die das machen, fühlen sich auch nicht immer gleich diskriminiert.
Ihr Film für die SOS-Kinderdörfer war für mich der bewegendste Werbefilm der letzten Jahre.
Ich habe 1991 angefangen, für die SOS-Kinderdörfer zu arbeiten und wurde 1993 zur Botschafterin ernannt. Ich habe sehr viele Kinderdörfer besucht, in der Türkei, in Kenia, in Spanien, habe gesungen und die Gage gespendet. Obwohl ich ja zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt war wurde ich schon Botschafterin der SOS-Kinderdörfer. Mein Wunsch war es immer, ein eigenes Dorf zu gründen, am liebsten natürlich in Bolivien. Das habe ich dann auch tatsächlich im letzten Jahr hinbekommen. Das Dörfchen heißt Verona’s Casitas, Veronas Häuschen, in El Alto, 4500 Meter über dem Meeresspiegel, das höchstgelegene Dorf der Welt. Ich habe Spenden gesammelt und auch einen großen Teil selbst gespendet. Ich war mit Franjo in Bolivien und wir schauten uns auch Verona’s Casitas an. Das war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich in meinem ganzen Leben hatte. Das kann man gar nicht in Worte fassen.
Da kommt im Herbst ja doch noch ein sehr schönes und emotionales Erlebnis auf Sie zu. Wir wünschen Ihnen hierfür alles Gute.
paps, Oktober 2003, Velber im OZ Verlag, Freiburg |