Mal wieder wurde ich durch Papas
lauten Schrei geweckt:
„Hurra! Hurra! Es
funktioniert!“
Ich rieb mir noch schnell meine
Träume aus den Augen und trabte in Richtung Wohnküche. Wir haben eine kleine
Wohnung. Papa schläft in der Wohnküche und ich in meinem Zimmer. Dann gibt’s
noch eine Dusche mit Klo und eine vollgestopfte Abstellkammer. Papa schläft
übrigens meistens nicht, sondern sitzt am Computer. Er ist Erfinder. Die ganze
Nacht hatte er wieder vor dem Bildschirm verbracht. Nun aber hüpfte er
umher:
„Das wird die Sensation!“
„Was hast du denn heute Nacht
erfunden?“, wollte ich wissen.
Mit großen Augen verkündete er
mir feierlich:
„Die Weihnachtsmaschine!“
Ich wunderte mich. Kann man
Weihnachten mit einer Maschine herstellen? Papa erklärte es mir.
„Du gibst in den Computer den
Namen deines Freundes ein und dann noch eine Zahl. Ich probier’s mit meinem
Freund Willi. Ich tippe seinen Namen ein und dann noch eine Fünfzig.“
Papa haute in die Tasten. Nach
kurzer Zeit erschien auf dem Bildschirm der Satz:
„Der Vorgang ist abgeschlossen.
Bitte geben Sie den nächsten Datensatz ein.“
„Das erklärt mir noch nicht
viel.“ , gab ich zu bedenken.
„Die Weihnachtsmaschine sucht
jetzt alles, was über Willi irgendwo geschrieben steht, aus dem Internet. Daraus
filtert sie alle Wünsche von ihm. Und dann guckt sie nach, welche der Wünsche
fünfzig Euro kosten. Und das bestellt sie für mich bei einem Versandunternehmen.
Die schicken das Geschenk pünktlich zu Willi.“
Papa war atemlos vor
Aufregung.
„Ich find das ein bisschen
unpersönlich!“
„Gleichzeitig schickt die
Maschine einen Weihnachtsgruß als E-mail, mit individuell dazu passendem Dekor.“
, verteidigte Papa seine Erfindung.
Vielleicht, dachte ich mir, ist
die Maschine für Papa wirklich ganz gut. Aber Papa wollte seine
Weihnachtsmaschine ja auch verkaufen. Ob andere so etwas auch gebrauchen
können?
„Ich zeige dir mal, was Willi
nun bekommt.“
Papa klickte auf das Kästchen
„Details“.
„Hier, Willi sammelt Nilpferde.
Und beim Versandhaus Ärgermann gibt es formschöne Nilpferde aus Mahagoni für
49,95 €. Davon bekommt er am 24.12. eins zugeschickt.“
Ich guckte meinen Papa skeptisch
an. Ob sich sein Freund Willi wirklich freuen wird? Papa hatte Willi seit über
einem Jahr nicht mehr gesehen
Papa schaute auf die Uhr.
„Ich mach jetzt Frühstück, du
musst in die Schule!“
Als ich nachmittags allein war,
probierte ich die Weihnachtsmaschine noch einmal aus. Schnell haute ich den
Namen von meinem Papa in die Tasten und eine Zwanzig. Als ich auf „Details“
klickte, wusste ich, dass Papas Maschine wirklich genial ist.
Am Weihnachtsmorgen klingelte es an der Tür. Papa ließ sich bei seinem Vormittagsschlaf auch nicht stören, als zwei Männer vom Paketdienst ihn in eine große Kiste packten. Einige Minuten sauste ich mit meinem Fahrrad hinter dem Paketauto her. So weit war der Weg ja nicht. Meine Mama lächelte, als sie die etwas schnarchende Kiste öffnete.
paps, Die Welt der Väter, Heft
01/03, Velber im OZ-Verlag, Freiburg